In der vergangenen Woche kam es an den Börsen erneut zu einem spürbaren Anstieg der Aktienkurse. So schloss beispielsweise der deutsche Leitindex DAX am Freitag bei einem Wert von über 12.800 Punkten. Auf Wochensicht stieg der Leitindex damit um 10,9% und nähert sich so wieder dem Vorkrisenniveau an. Für die positive Stimmung auf den Finanzmärkten sorgte einerseits das umfangreiche Konjunkturparket der Bundesregierung, das sich auf 130 Mrd. Euro beläuft und damit höher als erwartet ist.
Der Optimismus an den Börsen über die Aussichten auf eine baldige wirtschaftliche Erholung steht weiterhin im Vordergrund und verhilft den Aktienmärkten zu einer deutlichen Erholung. Der deutsche Leitindex Dax stieg am Dienstag in dieser Woche über die Marke von 12.000 Punkten und notierte damit so hoch wie seit drei Monaten nicht mehr. Jedoch ist diese Börsenerholung bisher nicht von Fundamentaldaten untermauert: “Und das macht sie so gefährlich.”, zitiert Reuters Thomas Altmann, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung QC Partners.
Das Coronavirus scheint vielerorts immer besser unter Kontrolle zu sein. Die positive Entwicklung erlaubt in vielen Ländern eine gestaffelte Aufhebung der Eindämmungsmaßnahmen. Vor diesem Hintergrund prognostizieren führende Institute die schrittweise Erholung der Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr und im Verlauf des nächsten Jahres. Sicher scheint, dass eine solche Belebung der Weltwirtschaft nur den beispiellos großen finanziellen Hilfspaketen zu verdanken ist.
Unternehmenslenker und Finanzinvestoren werden derzeit von gemischten Gefühlen beherrscht – laut Ifo Geschäftsklima und monatlicher Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Die rund 9.000 vom Ifo Institut befragten Unternehmen schätzten im Mai die aktuelle Lage noch etwas düsterer ein als in ihrer Äußerung im April. Dafür beurteilten sie die Zukunftsperspektiven deutlich positiver. Ifo-Chef Clemens Fuest beschrieb es mit den Worten: „Die ersten Lockerungen sorgen für einen Hoffnungsschimmer.“ Auch die Exporterwartungen hellten sich gegenüber dem katastrophalen Vormonat deutlich auf, wie eine weitere Umfrage des Ifo Instituts zeigte. Ein ähnliches Bild zeichnet das ZEW. Die ca. 350 befragten Finanzmarktexperten waren im Mai für die Zukunft so zuversichtlich wie zuletzt vor fünf Jahren. Gleichzeitig war ihr Blick auf die Gegenwart seit 2003 nicht mehr so negativ wie in diesem Monat.
Investoren zuversichtlich hinsichtlich der Erholung Deutschlands nach dem Virus
Die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich seit der vielbeachteten April-Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch weiter eingetrübt. Der Fonds will daher eine Korrektur seiner globalen Prognosen veröffentlichen, die die weitere Verbreitung des Virus und seine verstärkten Auswirkungen in den letzten Wochen widerspiegeln, sagte die Direktorin des IWF, Kristalina Georgieva. Grund dafür seien die eingehenden Wirtschaftsdaten, die schlechter seien als erwartet. “Natürlich bedeutet das, dass wir sehr viel länger für eine vollständige Erholung von dieser Krise benötigen werden”, fügte Frau Georgieva hinzu. Auch die OECD bestätigt dies und befürchtet, dass es mindestens zwei Jahre dauern könnte, bis sich viele Länder von der Pandemie erholen.
In vielen Ländern dreht sich die aktuelle politische Diskussion um die Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen gegen das Coronavirus. Dabei geht es nicht nur um die Rückgewinnung persönlicher Freiheiten, sondern auch um das Wiederhochfahren der Wirtschaft. Während manche Länder, nicht zuletzt aufgrund unterschiedlicher Betroffenheit, etwas vorsichtiger sind, wollen andere Länder die Einschränkungen schneller zurücknehmen.